Auswandern nach Vicenza: die Stadt Palladios als Wohnort

Eine UNESCO-Altstadt, in der eingekauft wird. Eine halbe Stunde nach Verona und Padua, ein Krankenhaus vor Ort und Preise unter denen der berühmteren Nachbarn.

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Kurz gefasst
  • Vicenza liegt zwischen Venedig und Verona und ist seit 1994 UNESCO-Welterbe – die Stadt Andrea Palladios, dessen Architektur bis zum Weißen Haus nachwirkt.
  • Die Immobilienpreise sind moderat: rund 2.155 €/m² im historischen Zentrum, etwa 1.489–1.900 €/m² in den Wohnvierteln San Bortolo, Laghetto und Riviera Berica.
  • Venedig ist in knapp 50 Minuten erreichbar, Verona und Padua in unter 30 Minuten; die Autobahnen A4 und A31 verbinden Meer, Gardasee und Berge in etwa einer Stunde.
  • Die Stadt investiert kräftig in Radwege, Stadterneuerung und Kultur – über 15 Millionen € allein für 2025.

Wer an Venetien denkt, denkt sofort an die Kanäle von Venedig oder die Shakespeare-Balkone von Verona. Doch zwischen diesen beiden Säulen liegt eine Stadt, die unaufdringliche Eleganz, menschlichere Rhythmen und ein künstlerisches Erbe bietet, das den Vergleich mit den Nachbarn nicht scheuen muss: Vicenza, die Perle im Herzen Venetiens.

Warum also aus dem Ausland nach Vicenza ziehen? Weil Vicenza nicht nur ein Reiseziel ist, sondern eine authentische Lebensform – ein Ort, an dem der Luxus der Geschichte auf die Ruhe einer italienischen Provinzstadt trifft.

Die Stadt Palladios

Ein Freilichtmuseum

Vicenza ist untrennbar mit Andrea Palladio verbunden, dem Architekten, der die ganze Welt beeinflusst hat – selbst das Weiße Haus in Washington hat hier seine Wurzeln. Die Stadt selbst ist seit 1994 UNESCO-Welterbe; 1996 wurde die Auszeichnung auf die palladianischen Villen Venetiens ausgeweitet. Gewürdigt wird damit das Werk Andrea Palladios, dessen klassisch inspirierte Architektur die europäische und weltweite Stadtentwicklung geprägt hat.

Turm und Loggia der Basilica Palladiana in Vicenza vor blauem Himmel

Ein Spaziergang durch das historische Zentrum fühlt sich an, als blättere man in einem Buch zur Kunstgeschichte – ohne die erdrückenden Menschenmengen anderer Städte.

Bühnenbild mit Statuen und Säulen im Teatro Olimpico in Vicenza
  • Die Basilica Palladiana: Trotz ihres Namens ist sie keine Kirche, sondern ein imposanter Profanbau an der Piazza dei Signori, vergleichbar mit dem Palazzo della Ragione an der Piazza delle Erbe in Padua. Mit ihrer Loggia aus weißem Stein bildet sie das Herz der Stadt und lässt sich sogar von der Panoramaterrasse gegenüber dem Kirchvorplatz von Monte Berico bewundern.
  • Das Teatro Olimpico: das erste überdachte Theater der Welt in Mauerwerksbauweise. Es zu betreten ist fast ein mystisches Erlebnis – die hölzernen Perspektiven, die das Auge täuschen, wirken bis heute lebendig. Das Theater wird weiterhin regelmäßig für Aufführungen, Veranstaltungen und Tagungen genutzt. Mit etwas Glück erleben Sie beim Besuch gerade die Proben für ein Theaterstück oder ein Konzert.
  • Die venezianischen Villen: Gleich außerhalb des Zentrums ist das Umland mit historischen Residenzen gesprenkelt, etwa der „Villa Capra“, genannt „La Rotonda“ – eine perfekt symmetrische Villa, die über den Hügeln zu schweben scheint.
Villa La Rotonda hinter Hecken und Bäumen am Ende einer Rasenallee

Eine Stadt mit authentischem Geschmack

Wenn Sie „echte“ venetische Küche suchen, sind Sie hier richtig. Vicenzas Küche ist deftig und raffiniert zugleich. Der unbestrittene König ist der Baccalà alla Vicentina: getrockneter Kabeljau, langsam in Milch und Zwiebeln geschmort, serviert mit gelber Polenta. Ein Gericht, das Geduld und Hingabe verlangt – genau wie die Stadt selbst. Dazu die Weine der Colli Berici, ideal für alle, die strukturierte Rotweine oder frische Weißweine lieben.

Wer authentische, aromatische Gerichte entdecken will, verliebt sich unweigerlich in Bigoi co‘ l’arna, also Bigoli mit Entenragout. Bigoli ähneln Spaghetti, werden meist aus frischem Eierteig hergestellt, sind bis zu 3–4 mm dick, innen kompakt und werden traditionell mit einer Bronzepresse extrudiert.

Was es heißt, in Vicenza zu leben

Das Zentrum für Liebhaber der Eleganz

Vicenza ist nicht nur schön zu besichtigen – es ist auch ein wunderbarer Ort zum Leben.

Das historische Zentrum ist perfekt für alle, die Eleganz lieben. Zwischen Corso Palladio und Contra‘ Porti zu wohnen bedeutet, in die Geschichte einzutauchen, ohne auf das gesellschaftliche Leben zu verzichten. Das Zentrum bietet unzählige Ecken und Bars für Aperitif und Kaffee mit Freunden – von den traditionsreichsten wie dem Garibaldi an der Piazza dei Signori bis zu den moderneren Adressen an der Piazza delle Erbe.

Die Lebensqualität ist ausgesprochen hoch für alle, die sich gern zu Fuß bewegen, zwischen historischen Geschäften und eleganten Cafés. Die Durchschnittspreise liegen bei rund 2.155 €/m², mit Spitzenwerten für Penthäuser mit Blick auf die Basilica.

Ruhe, ohne auf Prestige zu verzichten

Bevorzugen Sie dagegen eine Gegend, die ebenso prestigeträchtig wie ruhig ist, dann ist Monte Berico das Richtige. Hier zu leben heißt, frischere Luft und spektakuläre Panoramablicke zu genießen, ohne die Nähe zur Stadt aufzugeben. Es ist ein ruhiges Wohnviertel, das fast ausschließlich aus Villen und hochwertigen Wohnungen besteht.

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Komfort und Infrastruktur

Für Familien eignen sich besonders die nördlichen Viertel wie San Bortolo, Laghetto oder Riviera Berica: ruhige, gut angebundene Gegenden mit vielen Parks. Im Einzelnen:

  • San Bortolo: Das Viertel liegt nahe dem gleichnamigen Krankenhaus, das in Neurochirurgie und Kardiologie zu den Spitzenhäusern zählt, und ist eine lebendige Gegend mit ausgezeichneter Infrastruktur. Die Preise sind ausgewogen (rund 1.700–1.900 €/m²). In San Bortolo liegt außerdem der Parco Querini, mit 12 Hektar eine der größten grünen Lungen des Stadtzentrums.
  • Laghetto: gilt als das „grünste“ Viertel. Komplett eben, reich an Parks und Radwegen, die direkt ins Zentrum führen. Die Häuser – oft freistehende Häuser aus den 1970er- und 1980er-Jahren – sind sehr gefragt und bleiben nur kurz auf dem Markt, auch dank erschwinglicherer Preise (rund 1.489 €/m²).
  • Riviera Berica: Zusammen mit Campedello und Borgo Berga ist dies die Gegend mit dem stärksten Wachstum der letzten Jahre (+7 % Wertsteigerung). Perfekt für alle, die einen Steinwurf von der Stadt entfernt sein wollen und sich doch schon auf dem Land fühlen – mit direktem Zugang zu den Radrouten Richtung Hügel (rund 1.800 €/m²).

Für den schnellen Überblick, welches Viertel zu welchem Profil passt:

ViertelCharakterPreisniveau (ca.)
Historisches ZentrumEleganz, Geschichte, alles zu Fuß2.155 €/m², Spitzen darüber
Monte BericoVillenlage, Panorama, Ruhegehobenes Segment
San Bortololebendig, nahe Krankenhaus, Parco Querini1.700–1.900 €/m²
Laghettogrün, eben, familienfreundlichca. 1.489 €/m²
Riviera Bericastadtnah und doch ländlich, +7 % Wertsteigerungca. 1.800 €/m²
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Nicht nur Geschichte

Nach Vicenza zu ziehen bedeutet nicht nur Geschichte und Tradition: Die Stadt erlebt derzeit eine Phase umfassender Stadterneuerung.

Radwege

Die aktuelle Stadtverwaltung setzt stark auf Nachhaltigkeit. Vicenza hat den Ausbau seines Radwegenetzes entschieden vorangetrieben und wird immer „fahrradfreundlicher“. Ende 2022 verfügte die Stadt über rund 65,7 km Radwege; mit den zwischen 2024 und 2025 genehmigten und fertiggestellten Arbeiten sind mehr als 6,3 km strategische Radverbindungen hinzugekommen.

Investitionen aus dem PNRR

Rund 343.000 € sind gezielt dafür vorgesehen, die Universitätsstandorte mit dem historischen Zentrum, dem Bahnhof und dem Krankenhaus zu verbinden. Die Mittel stammen aus dem PNRR, Italiens nationalem Aufbau- und Resilienzplan aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Ein weiteres Projekt über 400.000 € vervollständigt den Stadtring entlang der Viale Risorgimento – wesentlich für alle, die aus den Umlandgemeinden kommen.

Stadterneuerung und Aufwertung

Das Programm der öffentlichen Bauvorhaben 2025–2027 ist umfangreich und zielt darauf, vernachlässigte Bereiche zurückzugewinnen und in Orte des Gemeinschaftslebens zu verwandeln.

Allein für 2025 hat die Stadtverwaltung über 15 Millionen € für neue Maßnahmen bereitgestellt. Davon sind 7,5 Millionen € für die neue Biblioteca Bertoliana in der ehemaligen Giuriolo-Schule vorgesehen – eine Gebäudesanierung, die der Stadt einen modernen Kulturraum schenken wird.

Rund 2,1 Millionen € fließen in die Aufwertung des Campo Marzo, der großen Grünfläche vor dem Bahnhof: Neue Stadtmöblierung und Beleuchtung sollen Erscheinungsbild und Sicherheit verbessern.

Eine strategische Lage

Falls all das noch nicht reicht, hier ein weiterer guter Grund, nach Vicenza zu ziehen und dort zu leben: Sie haben die ganze Schönheit des Nordostens innerhalb einer Stunde. Stellen Sie sich Vicenza als Mittelpunkt eines Zirkels vor: In einem Radius von 60–80 km erreichen Sie drei weitere UNESCO-Stätten (Venedig, Verona, Padua), die Dolomiten, den größten See Italiens und das Meer. In Vicenza zu leben heißt, sich in letzter Minute entscheiden zu können, ob der Sonntag im Schnee oder am Strand stattfindet – und immer in eine sichere, ruhige Stadt mit menschlichem Maß zurückzukehren, eine echte Perle im Herzen der Region. Wie sich Vicenza in das Gesamtbild der Region einfügt, zeigt unser Überblick zum Auswandern nach Venetien.

Mit dem Zug

Vicenza liegt an der Hauptstrecke zwischen Mailand und Venedig und bietet schnelle, sehr dichte Verbindungen.

  • Venedig: Mit schnellen Regionalzügen oder Hochgeschwindigkeitszügen erreichen Sie die Lagunenstadt in knapp 50 Minuten. Sie können also bequem in Venedig zu Abend essen und in der Ruhe von Vicenza schlafen.
  • Verona und Padua: Beide sind in unter 30 Minuten erreichbar (rund 26–27 Minuten). Die Arena von Verona oder die Scrovegni-Kapelle in Padua liegen näher, als mancher Pendlerweg innerhalb einer Großstadt dauert.
  • Städtischer Nahverkehr: Das Busnetz der SVT (Società Vicentina Trasporti) ist weit verzweigt und verbindet das Zentrum gut mit dem Stadtgürtel und den Nachbargemeinden. Die Flotte wird schrittweise auf emissionsarme Fahrzeuge (Erdgas und Elektro) umgestellt – im Einklang mit der neuen „grünen“ Linie der Stadt.

Mit dem Auto

Vicenza liegt an zwei wichtigen Autobahnen:

  • A4 (Turin–Triest): die Hauptachse, die ganz Norditalien durchquert.
  • A31 (Valdastico): unverzichtbar, um schnell die Bergregionen im Norden und den unteren Teil der Provinz im Süden zu erreichen. Die neue Nordumfahrung erlaubt es zudem, das Stadtzentrum zu umgehen – mit drastisch kürzeren Fahrzeiten für alle, die in den nördlichen Vierteln wohnen und auf die großen Verkehrsachsen müssen.

Wer die Flexibilität des Autos dem Zug vorzieht, erreicht in etwa einer Stunde Meer, See oder Berge:

  • Die Hochebene von Asiago: In etwa 1 Stunde und 10 Minuten (62 km über die A31 und die SP349) sind Sie in den venetischen Voralpen. Asiago und die Orte der Hochebene sind perfekt für Sommerfrische, Wanderungen zwischen Berghütten und Stätten des Ersten Weltkriegs oder Langlauf im Winter.
  • Der Gardasee: Rund 1 Stunde westwärts (79 km auf der A4), und Sie stehen am Ufer des Gardasees. Peschiera del Garda ist das Tor für Segelsport, Freizeitparks oder einen entspannten Tag zwischen den Lugana-Weinbergen. Wer gleich dort leben möchte, findet alles Wesentliche in unserem Leitfaden zum Auswandern an den Gardasee.
  • Die Adria: Richtung Osten liegt die Küste etwa 1 Stunde und 20 Minuten entfernt (100 km auf der A4). Jesolo gehört zu den bekanntesten Stränden Europas – ideal für Nachtleben, Shopping und moderne Beachclubs.

Fazit

Vicenza ist weit mehr als eine italienische Provinzstadt: Es ist die perfekte Verbindung aus historischer und künstlerischer Schönheit, Naturlandschaften, erschwinglichen Preisen und einer strategischen Lage, von der aus Sie ebenso atemberaubende Orte erreichen.

Wenn Sie einen Ort suchen, an dem Sie sich zu Hause fühlen können, ohne auf die vielen Möglichkeiten der Umgebung zu verzichten, ist Vicenza eine ausgezeichnete Wahl für Ihr neues Projekt in Italien.

Quellen

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Häufige Fragen

Vicenza bietet dasselbe künstlerische Niveau – UNESCO-Welterbe seit 1994, die Architektur Palladios, das Teatro Olimpico – aber ohne Massentourismus, mit menschlicheren Rhythmen und deutlich moderateren Preisen. Venedig und Verona bleiben trotzdem nah: beide in unter 50 Minuten Zugfahrt. Sie leben also im Zentrum des Nordostens, ohne dessen Nachteile zu bezahlen.

Im historischen Zentrum liegen die Durchschnittspreise bei rund 2.155 €/m², mit Spitzenwerten für Penthäuser mit Blick auf die Basilica Palladiana. In den Wohnvierteln ist es günstiger: San Bortolo etwa 1.700–1.900 €/m², Riviera Berica rund 1.800 €/m², Laghetto rund 1.489 €/m². Monte Berico mit seinen Villen bildet das gehobene Segment. Zum Vergleich: In Venedig oder Verona zahlen Sie für vergleichbare Lagen deutlich mehr.

Vor allem die nördlichen und südöstlichen Viertel: San Bortolo mit dem Krankenhaus und dem 12 Hektar großen Parco Querini, das komplett ebene, grüne Laghetto mit Radwegen bis ins Zentrum und die wachsende Riviera Berica mit direktem Zugang zu den Radrouten Richtung Hügel. Alle drei sind ruhig, gut angebunden und reich an Parks – bei Preisen zwischen etwa 1.489 und 1.900 €/m².

Sehr gut. Die Stadt liegt an der Bahnstrecke Mailand–Venedig: Venedig in knapp 50 Minuten, Verona und Padua in 26–27 Minuten. Auf der Straße verbinden die A4 (Turin–Triest) und die A31 (Valdastico) die Stadt mit dem ganzen Nordosten; Asiago, Gardasee und Adria liegen jeweils etwa eine gute Autostunde entfernt. Den Nahverkehr besorgt das Busnetz der SVT.

Die Stadt wurde 1994 als „Stadt des Palladio“ in die Welterbeliste aufgenommen; 1996 wurde der Eintrag um die palladianischen Villen Venetiens erweitert. Gewürdigt wird das Werk Andrea Palladios, dessen klassisch inspirierte Architektur – von der Basilica Palladiana über das Teatro Olimpico bis zur Villa „La Rotonda“ – die Stadtentwicklung in Europa und weltweit geprägt hat.

Nein. EU-Bürger und Schweizer benötigen für Italien kein Visum. Bei einem Aufenthalt von mehr als drei Monaten melden Sie sich bei der Gemeinde an (Anmeldung ins Einwohnerregister) und weisen dafür ausreichende Mittel sowie eine Krankenversicherung nach. Mit der Wohnsitznahme steht Ihnen dann auch die Einschreibung in den staatlichen Gesundheitsdienst SSN offen.

Den Baccalà alla Vicentina: getrockneter Kabeljau, langsam in Milch und Zwiebeln geschmort und mit gelber Polenta serviert – das Wahrzeichen der Stadtküche. Dazu Bigoi co' l'arna, dicke frische Eierteignudeln mit Entenragout, traditionell mit der Bronzepresse extrudiert. Begleitet werden beide von den Weinen der Colli Berici, strukturierten Roten und frischen Weißen aus den Hügeln vor der Stadt.

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