Der Trump-Effekt: warum Amerikaner nach Italien ziehen

verfasst von

In diesem Artikel:

In diesem Artikel:

Machen Sie uns zu Ihrer bevorzugten Quelle auf Google
Kurz gefasst
  • Die Beratungsgesellschaft Henley & Partners meldet für das erste Quartal 2025 einen Anstieg der Anfragen von US-Staatsangehörigen nach alternativem Wohnsitz und alternativer Staatsbürgerschaft um 183 % gegenüber dem ersten Quartal 2024 (USA Wealth Report 2025).
  • Am Relocation-Desk von Impatria wuchsen die Anfragen zu einem Umzug nach Italien allein im April 2026 um 30 % gegenüber März 2026.
  • In der Branche trägt das Phänomen zwei Namen: Plan B passport und AmerExit. Italien ist eines der Ziele, aber nicht das größte: Mexiko beherbergt mit rund 800.000 Personen die weltweit größte US-Auswanderergemeinde.
  • Was Italien im Vergleichsfeld auszeichnet, sind drei Elemente: die Staatsbürgerschaft durch Abstammung, die 7-%-Ersatzsteuer für Bezieher ausländischer Renten in Süditalien und die kulturelle Bindung von rund 17 Millionen US-Bürgerinnen und -Bürgern mit erklärter italienischer Herkunft.
  • Die offiziellen Zahlen zum Verzicht auf die US-Staatsbürgerschaft eignen sich derzeit nicht als Messgröße: Zwischen Verzicht und Veröffentlichung liegen zwölf bis achtzehn Monate Verwaltungsverzögerung.

Amerikanerinnen und Amerikaner ziehen nach Italien — und zwar in einer Zahl, die sich inzwischen in den Statistiken internationaler Beratungshäuser abbildet. Dieser Beitrag beschreibt ein laufendes Wanderungsgeschehen: woher die Zahlen stammen, welche Länder in der engeren Wahl stehen, welche Regionen Italiens die Zuzüge aufnehmen und an welchen Stellen der Verwaltungsweg in der Praxis stockt. Er ist als Bestandsaufnahme geschrieben, nicht als Handlungsanweisung. Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Italien blickt, liest hier die Chronik einer Bewegung, die den italienischen Wohnungs-, Schul- und Beratungsmarkt bereits verändert.

Wie groß ist der sogenannte Trump-Effekt tatsächlich?

Dass die politische Lage in den Vereinigten Staaten nach 2024 auf die Auswanderungsbereitschaft wirkt, ist durch mehrere unabhängige Quellen belegt, die in dieselbe Richtung zeigen. Die methodisch belastbarste stammt von Henley & Partners, einer international tätigen Beratungsgesellschaft für Wohnsitz- und Staatsbürgerschaftsprogramme. Nach deren Angaben stiegen die Anfragen von US-Staatsangehörigen im ersten Quartal 2025 um 183 % gegenüber dem ersten Quartal 2024. Die tatsächlich eingereichten Anträge amerikanischer Investoren legten allein im ersten Quartal 2025 um 39 % gegenüber dem vierten Quartal 2024 zu — ein Hinweis darauf, dass es sich nicht um einen kurzen Ausschlag unmittelbar nach der Wahl handelt.

Bis zum Ende des dritten Quartals 2025 lagen die Anträge von US-Staatsangehörigen bereits 67 % über dem gesamten Jahreswert 2024 — und 2024 war seinerseits ein Rekordjahr gewesen. Amerikanische Antragsteller machen nach Angaben des Hauses inzwischen mehr als 30 % aller bearbeiteten Anträge im Bereich der Investitionsmigration aus. Das entspricht nahezu dem zusammengerechneten Volumen der fünf nächstgrößeren Herkunftsnationalitäten.

Auf der operativen Seite beschrieb das Nachrichtenportal Axios in einer Reportage vom 2. Juni 2025 den Nachfrageschub bei Auswanderungsberatungen als Trump bump; mehrere US-Kanzleien berichteten dort von einer Verdopplung der Anfragen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunkverbund NPR wies in einer Analyse vom 13. April 2026 auf ungewöhnliche Ausschläge bei den Einbürgerungsverfahren innerhalb der USA hin — ein Zeichen für eine breitere Neupositionierung, die sich nicht auf Auswanderung beschränkt. CNN dokumentierte das Phänomen in einer Recherche vom 28. März 2026.

Ein Vorbehalt ist für alle wichtig, die die Datenlage verfolgen: Die offiziellen Zahlen zum Verzicht auf die US-Staatsbürgerschaft, die der US-Bundessteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) folgend quartalsweise im Federal Register veröffentlicht werden, taugen bislang nicht als Indikator für die Entwicklung nach 2024. Zwischen dem Verzicht und seiner Veröffentlichung liegen nach dem Bericht von Boundless zum Anstieg der US-Staatsbürgerschaftsverzichte vom Januar 2026 zwölf bis achtzehn Monate Verwaltungsverzögerung. Die 2025 veröffentlichten Daten spiegeln daher überwiegend Verzichte aus 2023 oder dem frühen Jahr 2024. Für 2024 wurden rund 5.000 Fälle ausgewiesen; der bislang höchste Wert bleibt mit 6.705 Fällen das Jahr 2020. Eine belastbare Messung der Wirkung der zweiten Amtszeit auf diese Statistik wird im öffentlichen Datenbestand vor Ende 2026 nicht sichtbar sein.

Die Treiber des Phänomens sind nach übereinstimmender Darstellung der zitierten Quellen strukturell und nicht allein politisch: steigende Gesundheitskosten in den USA, sinkende Erschwinglichkeit von Wohnraum, politische Polarisierung und die Normalisierung ortsunabhängiger Arbeit. Die Lage nach der Wahl 2024 wirkte demnach als Beschleuniger auf eine Entwicklung, die sich über Jahre aufgebaut hatte. Der Begriff AmerExit, der nach den Wahlen in den allgemeinen amerikanischen Sprachgebrauch überging, ist die kulturelle Bestätigung dieser Entwicklung.

Welche anderen Länder stehen bei Amerikanern in der engeren Wahl?

Italien gehört zu den am häufigsten gesuchten Zielen, ist aber weder das einzige noch das in absoluten Zahlen größte. Die Auswahlliste plausibler Ziele hat sich zwischen 2024 und 2026 um eine Gruppe von Ländern verdichtet, die vier Merkmale verbinden: erreichbare Aufenthaltstitel, niedrigere Lebenshaltungskosten als in den USA, eine funktionierende öffentliche Gesundheitsversorgung und ein als stabil wahrgenommenes politisches Umfeld.

Eine 2024 von der US-Beratungsfirma Expatsi durchgeführte Befragung unter mehr als 116.000 amerikanischen Staatsbürgern führte Portugal als meistgenanntes Ziel an, gefolgt von Spanien, Mexiko, Costa Rica, Italien, Frankreich, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Irland und Neuseeland. Die geäußerte Nachfrage deckt sich allerdings nicht mit den tatsächlichen Wanderungszahlen: Mexiko bleibt mit rund 800.000 dauerhaft dort lebenden US-Staatsbürgern das mit Abstand größte reale Ziel und damit die weltweit größte amerikanische Auslandsgemeinde. Getragen wird sie von der geografischen Nähe, einer visumfreien Aufenthaltsdauer von 180 Tagen und deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten. Portugal meldete nach Angaben der Migrations- und Asylbehörde AIMA (Agência para a Integração, Migrações e Asilo) für 2024 20.959 amerikanische Einwohner, rund 50 % mehr als 2023, mit etwa 4.800 neuen Legalisierungen im Jahresverlauf — Zahlen, die Bloomberg und internationale Agenturen im Februar 2026 aufgegriffen haben.

ZielWas es bietetEinschränkungen 2025-2026Typisches amerikanisches Profil
PortugalD7-Visum mit niedriger Schwelle für passives Einkommen (rund 920 €/Monat), Schengen-Zugang, öffentliche GesundheitsversorgungNHR-Regime seit 2024 für Neuzugänge geschlossen; das neue IFICI-Regime schließt Ruheständler aus, ausländische Renten werden mit bis zu 53 % besteuert; eine Verlängerung der Einbürgerungsfrist von fünf auf zehn Jahre wird debattiertRuheständler mit mittlerem Einkommen, LGBTQ+-Ruheständler, ortsunabhängig Arbeitende
MexikoNähe zu den USA, niedrige Lebenshaltungskosten (1.200-1.800 US-Dollar im Monat), 180 Tage visumfreier AufenthaltSicherheitslage regional sehr unterschiedlich; Gentrifizierungskonflikte in Mexiko-Stadt und an den KüstenJunge Familie, preisbewusster Ruheständler, digitaler Nomade
SpanienVisum für digitale Nomaden, leistungsfähiges öffentliches Gesundheitswesen, mediterrane LebensweiseGolden Visa 2024 beschlossen und im April 2025 für Neuanträge geschlossen; Spannungen um den Tourismus in Barcelona und MadridFachkraft aus der Technologiebranche, Ruheständler, Kreativberuf
ItalienStaatsbürgerschaft durch Abstammung, strukturierte Steueranreize, kulturelles ErbeStaatsbürgerschaftsreform 2025 mit Begrenzung auf zwei Generationen; längere Bearbeitungszeiten an den KonsulatenItaloamerikanische Nachfahren, Berufstätige zwischen 30 und 50, vermögende Privatpersonen, Ruheständler in Süditalien
FrankreichTalent-Passport, öffentliche Gesundheitsversorgung, BildungsprestigeEine der höchsten Steuerquoten Europas; Sprachbarriere; teurer Wohnraum in ParisQualifizierte Fachkraft, Wissenschaftlerin, kulturelles Profil
Costa RicaZugängliches Pensionado-Visum, Artenvielfalt, politische StabilitätPreisdruck am Immobilienmarkt in den von ausländischen Staatsangehörigen geprägten Gebieten; teure PrivatmedizinAktiver Ruheständler, naturnahe Lebensweise
KanadaSprache, Nähe, öffentliche Gesundheitsversorgung, ähnliches politisches SystemSelektives Punktesystem für Fachkräfte; hohe Wohnkosten in Toronto und VancouverQualifizierte Fachkraft, Familie mit Kindern

Die Auswahlliste ist breit, aber in Bewegung. Mehrere Länder, die bis 2023 als vergleichsweise einfach zugänglich galten, ziehen die Schwellen inzwischen an: In Portugal wird eine Verlängerung der für die Einbürgerung erforderlichen Aufenthaltsdauer von fünf auf zehn Jahre diskutiert, nachdem ein entsprechender Gesetzentwurf Anfang 2026 mit einem Veto an das Parlament zurückverwiesen wurde. Spanien hat sein Golden Visa im April 2025 offiziell für Neuanträge geschlossen, Portugal hatte den Immobilienweg zu seinem eigenen Programm bereits 2023 beendet. Die Türen stehen weiter offen, sie schließen sich aber an vielen Stellen selektiv.

Warum Italien innerhalb dieser Auswahl? Was das Land bietet, was andere nicht haben

Innerhalb der Liste plausibler Ziele nimmt Italien eine Stellung ein, die kein anderes Land vollständig nachbildet. Drei Elemente unterscheiden es für ganz bestimmte amerikanische Profile.

Die Staatsbürgerschaft durch Abstammung

Das erste Element ist die Staatsbürgerschaft durch Abstammung, im italienischen Recht cittadinanza jure sanguinis genannt. Italien verfügt — oder verfügte vor der Reform von 2025 in weiterem Umfang — über eines der zugänglichsten Systeme weltweit, um Nachfahren von Auswanderern die Staatsbürgerschaft zuzuerkennen. Für rund 17 Millionen amerikanische Staatsbürger mit erklärter italienischer Abstammung bedeutet die italienische Staatsbürgerschaft zugleich die Unionsbürgerschaft: Freizügigkeit, das Recht auf Arbeit und Wohnsitz in allen siebenundzwanzig Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Zugang zu den europäischen Gesundheitssystemen. Keines der Alternativziele bietet einen vergleichbaren Kanal in dieser Größenordnung. Portugal erkennt die Staatsbürgerschaft für Nachfahren sephardischer Juden an — ein Weg, der derzeit geschlossen wird —, Irland für Enkel in Irland geborener Staatsangehöriger; die dafür infrage kommenden Gruppen sind jedoch weit kleiner als die italoamerikanische.

Steueranreize und Lebensqualität

Das zweite Element ist die Verbindung aus strukturierten Steueranreizen und Lebensqualität — zu einem Zeitpunkt, an dem der italienische Steuervorteil für ausländische Ruheständler unter den konkurrierenden Zielen keine direkte Entsprechung hat. Portugal ist der aufschlussreichste Fall. Über ein Jahrzehnt lang war das 2009 eingeführte Regime für nicht gewöhnlich Ansässige (Non-Habitual Resident, NHR) der wichtigste Auslöser internationaler Ruheständlerströme nach Lissabon, an die Algarve und nach Cascais: Es besteuerte ausländische Renten zehn Jahre lang pauschal mit 10 % — ein Satz, der 2020 nach einer Dekade vollständiger Befreiung eingeführt wurde. Zum 1. Januar 2024 wurde das Regime für Neuzugänge geschlossen und endgültig durch das IFICI-Regime (Steueranreiz für wissenschaftliche Forschung und Innovation) ersetzt, das strukturell anders angelegt ist: Es richtet sich an hoch qualifizierte Fachkräfte in Forschung und Innovation, nicht an Ruheständler. Ausländische Renten von Personen, die ab 2024 in Portugal ansässig werden, unterliegen seither den regulären Progressionssätzen, die bis zu 53 % erreichen können.

Der Zahlenvergleich mit Italien fällt in diesem Segment deutlich aus. Italiens Wahlregime für ausländische Ruheständler nach Art. 24-ter des italienischen Einkommensteuergesetzes TUIR (Testo unico delle imposte sui redditi) wendet eine Ersatzsteuer von 7 % auf sämtliche ausländischen Einkünfte an, und zwar für zehn Steuerperioden: das Jahr der Wohnsitzverlegung plus die neun folgenden. Voraussetzung ist die Verlegung des steuerlichen Wohnsitzes in eine Gemeinde Süditaliens — Sizilien, Kalabrien, Sardinien, Kampanien, Basilikata, Abruzzen, Molise und Apulien. Die Einwohnergrenze der begünstigten Gemeinden wurde durch das Gesetz Nr. 34 vom 11. März 2026, das jährliche Mittelstandsgesetz, von 20.000 auf 30.000 Einwohner angehoben; die Neuregelung gilt seit dem 7. April 2026 und erweitert den Kreis der infrage kommenden Orte erheblich.

Für eine amerikanische Ruheständlerin mit 48.000 US-Dollar Jahresrente aus der Social Security, die in eine begünstigte Gemeinde in Kalabrien, Apulien oder Sizilien zieht, ist der Unterschied gegenüber demselben Schritt nach Portugal nach 2024 erheblich — er bewegt sich über zehn Jahre in der Größenordnung mehrerer Zehntausend Dollar. Griechenland bietet ebenfalls eine Ersatzsteuer von 7 % auf ausländische Einkünfte, allerdings mit strengeren Zugangsvoraussetzungen und einem kleineren geografischen Anwendungsbereich.

Für Leserinnen und Leser aus dem deutschsprachigen Raum gilt an dieser Stelle eine wichtige Unterscheidung: Was für die amerikanische Social Security funktioniert, lässt sich nicht auf die deutsche Rente übertragen. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Italien von 1989 bleiben Renten der Deutschen Rentenversicherung nach Art. 19 Abs. 4 in Deutschland steuerpflichtig und fallen damit nicht unter die 7 %. Betriebsrenten und Kapitaleinkünfte können dagegen einbezogen werden. Für Österreich gilt nach dem Abkommen von 1981 eine andere Systematik: ASVG-Renten werden nach Art. 18 im Ansässigkeitsstaat besteuert und können daher in das Regime fallen, während Pensionen aus dem öffentlichen Dienst nach Art. 19 Abs. 3 lit. a in Österreich verbleiben.

Eine Branchenzahl hilft, die Größenordnung zu fassen: Nach dem Bericht American Retirement Exodus, den Get Golden Visa im April 2026 auf Grundlage von Daten der Social Security Administration veröffentlicht hat, beziehen rund 15.465 amerikanische Staatsbürger ihre Altersbezüge bei Wohnsitz in Italien. Damit liegt Italien in Europa auf Platz vier der amerikanischen Ruhestandsziele. Der Wert ist seit 2020 in jedem Jahr gestiegen.

Kulturelles Erbe und historische Identität

Das dritte Element ist am schwersten zu quantifizieren, kommt in Beratungsgesprächen aber am häufigsten zur Sprache. Für viele Amerikanerinnen und Amerikaner ist Italien kein Reiseziel, sondern Familiengedächtnis: eine Sprache, die man als Kind zu Hause gehört hat, ein Land, dessen Bild sich aus Büchern, Filmen, Essen und Erzählungen zusammensetzt. Für Menschen mit italienischen Wurzeln ist der Umzug nach Italien in ihrer eigenen Wahrnehmung keine Auswanderung, sondern die Rückkehr an einen Ort, den in ihrer Familie nie jemand wirklich verlassen hat.

Silver Move

Silver Move begleitet Menschen im Ruhestand bei der Verlegung ihres Lebensmittelpunkts nach Italien: Wohnsitzanmeldung, steuerliche Erstprüfung mit Fachpartnern, Gesundheitsversorgung und die ersten Wochen vor Ort.

Wohin in Italien ziehen die Amerikaner? Eine Entscheidungsmatrix nach Profil

Die geografische Verteilung der amerikanischen Zuzüge innerhalb Italiens ordnet sich 2026 um drei deutlich unterschiedene Pole, von denen jeder an ein bestimmtes Antragstellerprofil gebunden ist. Welcher Ort der richtige ist, folgt in diesen Fällen selten allein dem persönlichen Geschmack — es folgt dem Regelwerk, das zur jeweiligen Situation passt.

Familien mit Kindern zieht es an den historischen städtischen Pol: Rom, Florenz, Mailand und zunehmend Bologna. Diese Städte beherbergen gewachsene amerikanische Gemeinden, zertifizierte internationale Schulen, konsularische Vertretungen der USA — die Botschaft in Rom, Generalkonsulate in Mailand, Florenz und Neapel — sowie eine englischsprachige berufliche Infrastruktur. Rom bleibt die Referenz für Familien mit diplomatischen, kirchlichen oder bildungsbezogenen Anforderungen.

Ruheständler mit mittlerem Einkommen orientieren sich seit 2026 nach Süditalien. Das Wahlregime mit 7 % Ersatzsteuer, durch das Gesetz 34/2026 auf Gemeinden bis 30.000 Einwohner ausgeweitet, ist der bestimmende steuerliche Treiber — und er ist geografisch gebunden. Begünstigt sind Sizilien, Kalabrien, Sardinien, Kampanien, Basilikata, Abruzzen, Molise und Apulien. Die Wahl des Wohnorts ist in diesem Fall zuerst eine regulatorische und erst danach eine Lebensstilfrage; welche Orte dabei regelmäßig genannt werden, zeigt unsere Übersicht zu den besten Orten für den Ruhestand in Italien.

Gut verdienende ortsunabhängig Arbeitende und Menschen kurz vor dem Ruhestand bilden den dritten und am schnellsten wachsenden Pol: die mittlere und nördliche Adria sowie das Gardaseegebiet — die Marken, die Küste der Abruzzen, das venetische Ufer des Gardasees und zunehmend Bologna und die Küste der Romagna. Es sind Gebiete, die wegen ihres Verhältnisses von Immobilienpreis zu Wohnqualität und wegen einer weniger vom Tourismus gesättigten Lebensweise gewählt werden als die Toskana oder die Amalfiküste. Wie sich die laufenden Kosten zwischen Nord und Süd unterscheiden, zeigt unser Vergleich der Lebenshaltungskosten in Italien.

Die Geografie der Zuzüge ist also nicht homogen, und genau das macht pauschale Empfehlungen irreführend. Familie mit schulpflichtigen Kindern führt zur mittelgroßen bis großen Stadt mit internationalen Schulen. Ruhestand mit Social Security oder Betriebsrente führt in eine begünstigte süditalienische Gemeinde. Hohes Einkommen aus Fernarbeit führt in eine mittelgroße Stadt Mittel- oder Norditaliens. Die erste Entscheidung betrifft nicht die Stadt, sondern das Profil und den steuerlichen Rahmen, der dazu passt.

Welcher italienische Weg passt zu welchem Profil im Jahr 2026?

Der rechtlich passende Weg hängt vom Profil ab: Ruhestand, Beruf, Investition oder italienische Abstammung. Die folgende Übersicht fasst die im ersten Quartal 2026 am häufigsten beschrittenen Wege zusammen, mit realistischen Zeitachsen und Zielgruppen. Zwei davon behandeln wir ausführlich in eigenen Beiträgen: das Visum für den Wahlwohnsitz und das Investorenvisum.

WegZentrale VoraussetzungRealistische DauerPassend für
Staatsbürgerschaft durch Abstammung (jure sanguinis)In Italien geborener Elternteil oder Großelternteil (nach Gesetz 74/2025)12-36 MonateItaloamerikanische Nachfahren in direkter Linie
Impatriati-RegimeVerlegung des steuerlichen Wohnsitzes und qualifizierte Tätigkeit (Art. 5, D.Lgs. 209/2023)3-6 MonateAngestellte, Selbstständige, ortsunabhängig Arbeitende
7-%-Wahlregime für RuheständlerAusländische Rente und süditalienische Gemeinde bis 30.000 Einwohner (Art. 24-ter TUIR, Gesetz 34/2026)4-8 MonateUS-Ruheständler in begünstigten Gemeinden
Visum für den Wahlwohnsitz (Elective Residence Visa)Nachweisbares passives Einkommen von rund 32.000 € im Jahr3-6 MonateUS-Ruheständler ohne italienische Abstammung
Investorenvisum (Italy Golden Visa)Investition zwischen 250.000 € und 2 Mio. €3-4 MonateVermögende Privatpersonen mit EU-Strategie
Visum für digitale NomadenQualifizierte Fernarbeit und Einkommen von rund 28.000 € (Art. 6-quinquies, Gesetz 25/2022)3-5 MonateSelbstständige und angestellte Fernarbeitende
Verkürzte Einbürgerung nach zwei JahrenIn Italien geborener Elternteil oder Vorfahre und zwei Jahre Wohnsitz (Gesetz 74/2025)3-4 Jahre insgesamtNachfahren außerhalb der Zwei-Generationen-Grenze

Am häufigsten wählen Berufstätige zwischen 30 und 50 Jahren das Impatriati-Regime, während Ruheständler mit mittlerem Einkommen zum 7-%-Wahlregime in den süditalienischen Gemeinden tendieren, die durch das Gesetz 34/2026 hinzugekommen sind. Die Staatsbürgerschaft durch Abstammung bleibt der begehrteste, zugleich aber der von der Reform 2025 am stärksten betroffene Weg: Der Zugang wurde auf Personen mit einem in Italien geborenen Elternteil oder Großelternteil beschränkt.

Welche Reibungen erleben Amerikaner beim Umzug tatsächlich?

Zwischen der Entscheidung und dem vollzogenen Umzug liegen Verwaltungsschritte, die die meisten Zuziehenden unterschätzen. Sie sind technischer Natur und blockieren nichts endgültig — sie verlängern die Zeitachse aber regelmäßig um Monate und zehren an der anfänglichen Entschlossenheit. Wer sie früh kennt, kommt schneller durch.

Urkunden: Apostille und beglaubigte Übersetzung

Für jeden Weg sind Geburts-, Heirats- und Scheidungsurkunden vorzulegen, in manchen Fällen zusätzlich eine Identity History Summary der Bundespolizei FBI. Sämtliche Dokumente müssen nach dem Haager Übereinkommen vom 5. Oktober 1961 mit einer Apostille versehen und von einer beeidigten Übersetzerin ins Italienische übertragen werden. Zuständig für die Apostille sind bei Personenstandsurkunden die Secretaries of State der einzelnen Bundesstaaten, beim FBI-Dokument das US-Außenministerium. Realistisch dauert die Ausstellung vier bis zwölf Wochen, selten weniger.

Wartezeiten an den Konsulaten

Die Wartezeit auf einen Termin bei einem italienischen Konsulat in den USA hängt vom Standort und von der Art des Dokuments ab. Bei Langzeitvisa — Wahlwohnsitz, Investoren, digitale Nomaden — führt die konsularische Praxis 2026 typischerweise zu einer Gesamtwartezeit von mehreren Monaten zwischen Terminvergabe und Erteilung des Visums. Die Zeiten schwanken saisonal und hängen vom Andrang des jeweiligen Konsulats ab. Wer einen Umzug plant, prüft die aktuellen Bearbeitungszeiten beim für den Wohnsitz zuständigen Konsulat.

Registrierter Mietvertrag mit langer Laufzeit

Für den Aufenthaltstitel und die Eintragung im Einwohnermelderegister (anagrafe) ist ein langfristiger Mietvertrag erforderlich, der ordnungsgemäß bei der Agenzia delle Entrate (italienische Steuerbehörde) registriert wurde. In vielen touristisch geprägten Gegenden Italiens ist das Mietangebot stark auf Kurzzeitvermietung ausgerichtet, sowohl wegen der Marktlage als auch wegen der Beschaffenheit des Bestands. Einen registrierten Langzeitmietvertrag auf den Namen einer amerikanischen Staatsbürgerin ohne italienische Bonitätshistorie zu finden — idealerweise vor der Ankunft — erfordert Vorlauf. Häufig wird zunächst eine Zwischenlösung genutzt, bis der langfristige Vertrag steht.

Codice fiscale und Bankkonto

Die italienische Steuernummer, der codice fiscale, wird vor fast allem anderen gebraucht: für die Kontoeröffnung, den Mietvertrag, die Anmeldung der Versorgungsverträge und die Zulassung eines Fahrzeugs. Sie wird kostenlos bei jedem italienischen Konsulat in den USA oder nach der Ankunft bei den Ämtern der Agenzia delle Entrate ausgestellt. Die Eröffnung eines italienischen Bankkontos ist ein eigener, keineswegs trivialer Schritt: Ein Teil der italienischen Institute ist auf Kundinnen und Kunden eingerichtet, die dem US-Gesetz FATCA (Foreign Account Tax Compliance Act) unterliegen, und nimmt amerikanische Staatsbürger als Kontoinhaber an; andere arbeiten in diesem Segment lieber nicht. Es lohnt sich, die Haltung der gewünschten Bank vorab zu klären.

Der US-Führerschein

Amerikanische Führerscheine berechtigen ab dem Datum der Wohnsitznahme zwölf Monate lang zum Führen eines Fahrzeugs in Italien, begleitet von einer beglaubigten Übersetzung oder einem internationalen Führerschein. Nach dem ersten Jahr sind die italienische theoretische und praktische Fahrprüfung abzulegen, um eine italienische Fahrerlaubnis zu erhalten: Zwischen den USA und Italien besteht in diesem Bereich kein vollständiges Gegenseitigkeitsabkommen. Wer außerhalb der großen Städte lebt, erlebt das Fehlen einer gültigen Fahrerlaubnis als spürbare Einschränkung des Alltags.

ETIAS ab dem vierten Quartal 2026

Das Europäische Reiseinformations- und -genehmigungssystem ETIAS (European Travel Information and Authorisation System) ist die neue elektronische Reisegenehmigung für Staatsangehörige visumbefreiter Länder, die in den Schengen-Raum einreisen — die Vereinigten Staaten eingeschlossen. Die Europäische Kommission hat den Betriebsstart für das vierte Quartal 2026 bestätigt, mit Übergangszeitraum und Kulanzklausel; die vollständige Verpflichtung wird ab 2027 erwartet. ETIAS betrifft ausschließlich Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen und ersetzt weder Visa noch Aufenthaltstitel für dauerhaft Zuziehende. Wer jedoch zur Erkundung vorab nach Italien reist, muss es in seine Zeitplanung einbeziehen.

Wer kehrt nach dem Umzug in die USA zurück?

Ein Teil der Umzüge von den USA nach Italien verfestigt sich nicht. Das gehört offen benannt, weil jede Abwägung davon profitiert. Aus der Nachbetreuung von Relocation-Mandaten bei Impatria lassen sich in den vergangenen Jahren drei wiederkehrende Muster erkennen, jedes mit eigenen Beweggründen und eigenen Zeitachsen.

Das erste Muster ist die isolierte politische Motivation. Betroffen sind Menschen, die vor allem als Reaktion auf das politische Klima in den USA umgezogen sind und in Italien ohne weitere Verankerung ankommen: keine Familienlinie, keine frühere strukturierte Erfahrung mit dem Land, keine Arbeitskenntnisse der Sprache. Die Rückkehr reift meist in den ersten 18 bis 24 Monaten, wenn die anfängliche Dringlichkeit nachlässt und das reale Gewicht der Entfernung von Familie, Berufsnetzwerk und vertrauten Systemen sichtbar wird. Das ist keine persönliche Schwäche, sondern der Kurzschluss zwischen einer schnell getroffenen Entscheidung und einem Vorhaben, das Zeit zum Setzen braucht.

Das zweite Muster ist die Reibung mit den italienischen Rhythmen. Langsamere Verwaltungsverfahren, die Vielschichtigkeit des bürokratischen Umfelds und die Schwierigkeit, ohne Sprachsicherheit ein soziales Netz aufzubauen, können die ursprüngliche Motivation nach und nach abtragen. Die Rückkehr dauert hier länger, in der Regel zwischen zwei und vier Jahren, und geht oft mit einer teilweisen Neuordnung einher: ein Standbein in den USA behalten, einen Teil des Jahres in Italien verbringen, bis sich der Schwerpunkt wieder nach Westen verlagert.

Das dritte Muster ist der familiäre Notfall. Ein pflegebedürftiger Elternteil, eine ernste Erkrankung, ein unerwartetes Ereignis in der Familie: Diese Ursachen sind von der Qualität des Umzugs unabhängig und können jeden treffen, auch Menschen mit gelungener Integration. Die Rückkehr ist dann kein Scheitern des Vorhabens, sondern eine — oft vorübergehende — Unterbrechung aus anderen, ebenso legitimen Gründen.

Allen drei Mustern ist eines gemeinsam: Die Rückkehr ist wirtschaftlich und emotional in der Regel anspruchsvoller als der ursprüngliche Umzug. Italienisches Eigentum verkaufen oder abwickeln, die amerikanische Krankenversicherung reaktivieren, die berufliche Position neu aufbauen, die italienischen Steuerpflichten im Austrittsjahr abschließen — das sind Schritte, die vor dem Umzug bewusst mitgedacht gehören. Wer sorgfältig plant, senkt das Rückkehrrisiko in den ersten beiden Kategorien deutlich und mildert zumindest die praktischen Folgen im dritten Fall.

Elite Residency

Elite Residency richtet sich an vermögende Privatpersonen: steuerliche Erstberatung mit Fachpartnern, Wohnsitzverlegung, Immobilie und die Abstimmung mit den Beratern im Herkunftsland — aus einer Hand.

Was das für den italienischen Markt bedeutet

Der amerikanische Zustrom hat 2026 Folgen, die über die einzelnen Umzüge hinausreichen. Vier Bereiche des italienischen Marktes verzeichnen den Effekt bereits.

Der süditalienische Immobilienmarkt zeigt Erholungszeichen in Lagen, die zuvor stagnierten. Die Ausweitung des Gesetzes 34/2026 auf Gemeinden bis 30.000 Einwohner hat das Feld aktiver Märkte verbreitert: Kleinere Orte unterhalb dieser Schwelle verzeichnen steigende Transaktionszahlen, die Quadratmeterpreise liegen weiterhin unter dem Landesdurchschnitt, zeigen aber nach oben. Die Bewertungen der Immobilienmarktbeobachtungsstelle OMI (Osservatorio del Mercato Immobiliare) bei der Agenzia delle Entrate werden halbjährlich aktualisiert.

Die grenzüberschreitende Steuerberatung wächst strukturell. Wer gleichzeitig die US-Pflichten (Formular 1040, FBAR FinCEN 114, Formular 8938 nach FATCA) und die italienischen Pflichten (Einkommensteuererklärung, Anlage RW zur Überwachung ausländischer Vermögenswerte) erfüllen muss, braucht spezialisierte Expertise, die gemessen an der Nachfrage derzeit knapp ist.

Zertifizierte internationale Schulen melden vor allem in mittelgroßen und großen Städten Wartelisten für englischsprachige Programme. Das italienische System erkennt mehrere Zertifizierungsstellen an, darunter den Council of International Schools und die International Baccalaureate Organization.

Die Nachfrage nach notarieller Unterstützung beim Immobilienerwerb durch Nichtansässige ist deutlich gestiegen. Das italienische Verfahren — Vorvertrag (compromesso), notarielle Beurkundung, Registrierung und Katasteraktualisierung — verlangt qualifizierte Unterstützung, wenn die Käuferseite kein Italienisch spricht.

Nomad Landing

Nomad Landing begleitet ortsunabhängig Arbeitende beim Schritt nach Italien: Aufenthaltsformalitäten, Anmeldung, Steuernummer und die praktischen Fragen der ersten Monate.

Fazit

Der amerikanische Zustrom nach Italien ist 2026 ein Teilstrom einer größeren Bewegung, die Beobachter in den USA inzwischen AmerExit nennen. Nach den hier zitierten Quellen handelt es sich nicht um eine kurzfristige Gefühlsreaktion, sondern um eine Entscheidung, in der politische, demografische, steuerliche und kulturelle Faktoren zusammenlaufen, die seit Jahren reifen. Das im April 2026 gemessene Wachstum der Impatria-Anfragen um 30 % gegenüber dem Vormonat ist ein Signal unter mehreren und deckt sich mit den Daten internationaler Beratungshäuser.

Italien ist dabei nicht das führende Ziel in absoluten Zahlen. Mexiko liegt bei Nähe und Lebenshaltungskosten klar vorn, Portugal hat Italien in den vergangenen Jahren als meistgewünschtes Ziel überholt, Spanien konkurriert beim mediterranen Lebensgefühl. Italien ist jedoch das Land, das für Menschen mit italienischen Wurzeln oder mit dem Wunsch nach kultureller Verankerung eine andere Geschichte erzählt. Der steuerliche Hebel — unverändertes Impatriati-Regime, 7-%-Wahlregime für Ruheständler, seit dem 7. April 2026 auf süditalienische Gemeinden bis 30.000 Einwohner ausgeweitet, sowie die Bestandsschutzregelung der Pauschalsteuer für Wohnsitzverlegungen bis Ende 2025 — wirkt unabhängig vom politischen Zyklus in den USA. Der Trump-Effekt ist der Funke, nicht der Brennstoff.

Zwei Beobachtungen aus der Beratungspraxis prägen das Bild. Erstens verlängern sich die konsularischen Zeitachsen gerade deshalb, weil die Nachfrage steigt: Wer heute beginnt, schließt das Verfahren realistisch 2027 oder 2028 ab. Zweitens produziert eine mehrfach begründete Motivation stabile Umzüge, während rein reaktive Beweggründe selten 24 Monate überdauern. Für Leserinnen und Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt der konsularische Teil dieser Chronik übrigens nicht: Als Unionsbürgerinnen und Unionsbürger — und über das Freizügigkeitsabkommen auch als Schweizer Staatsangehörige — melden sie sich schlicht bei der italienischen Gemeinde an. Die steuerlichen Hebel dagegen, vom 7-%-Regime bis zur Pauschalsteuer, folgen für sie denselben Regeln wie für alle anderen Zuziehenden.

Quellen
  • Henley & Partners — Beratungsgesellschaft für Wohnsitz- und Staatsbürgerschaftsprogramme · USA Wealth Report 2025, Anfrage- und Antragszahlen von US-Staatsangehörigen
  • Boundless — Bericht zum Anstieg der US-Staatsbürgerschaftsverzichte, Januar 2026, auf Basis der IRS-Daten im Federal Register
  • Internal Revenue Service — US-Bundessteuerbehörde · Publication 54, Steuerleitfaden für im Ausland lebende US-Bürger
  • Agenzia delle Entrate — Italienische Steuerbehörde · Wahlregime für ausländische Ruheständler nach Art. 24-ter TUIR und Immobilienmarktbeobachtungsstelle OMI
  • ISTAT — Italienisches Statistikamt · Pressemitteilung zu den im Ausland ansässigen Italienern, 23. Juli 2025
  • Axios — Reportage vom 2. Juni 2025 über den Nachfrageschub bei US-Auswanderungsberatungen
  • CNN — Recherche vom 28. März 2026 zur Staatsbürgerschaft durch Abstammung
  • NPR — Analyse vom 13. April 2026 zu den Einbürgerungszahlen in den USA

Teilen auf:

Häufige Fragen

Die verdichtete Auswahlliste umfasst Portugal, Mexiko, Spanien, Italien, Costa Rica, Frankreich, Kanada, das Vereinigte Königreich, Irland und Neuseeland. Mexiko bleibt mit rund 800.000 amerikanischen Einwohnern das mit Abstand größte reale Ziel, Portugal führt bei der geäußerten Präferenz und meldete für 2024 nach AIMA-Daten 20.959 amerikanische Einwohner. Italien fällt durch die zugängliche Abstammungsbürgerschaft, strukturierte Steueranreize und die Größe seiner Diaspora auf.

Die Wirkung des politischen Klimas nach 2024 auf die Auswanderung ist durch mehrere übereinstimmende Quellen belegt. Henley & Partners meldete für das erste Quartal 2025 einen Anstieg der Anfragen von US-Staatsangehörigen nach alternativem Wohnsitz und alternativer Staatsbürgerschaft um 183 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die politische Motivation steht allerdings selten allein: Sie verbindet sich mit Gesundheitskosten, Wohnkosten, Lebensqualität und — bei der Wahl Italiens — mit der Familiengeschichte.

Ein linear geplanter Ablauf braucht nach Erfahrung der Beratungspraxis neun bis zwölf Monate von der ersten Beratung bis zum tatsächlichen Umzug. Vier Reibungspunkte bestimmen die Dauer: Ausstellung der Apostillen und beglaubigte Übersetzung der Personenstandsurkunden, Terminvergabe am Konsulat und Visumbearbeitung, ein registrierter langfristiger Mietvertrag und die Eröffnung eines FATCA-fähigen italienischen Bankkontos. Keinen dieser Schritte auszulassen verkürzt die Zeitachse, das Auslassen verlängert sie.

Nach dem Gesetz 74/2025 und dem im englischen Ausgangstext genannten Urteil des italienischen Verfassungsgerichts vom 12. März 2026 ist die Abstammungsbürgerschaft auf zwei Grade begrenzt: einen in Italien geborenen Elternteil oder Großelternteil. Urenkel erfüllen die Standardvoraussetzungen des jure sanguinis nicht mehr. Zwei alternative Wege bleiben: der Gerichtsweg über die mütterliche Linie vor 1948 und die verkürzte Einbürgerung nach zwei Jahren durchgehenden Wohnsitzes in Italien.

Ein Teil der Umzüge verfestigt sich nicht. Die drei häufigsten Rückkehrmuster sind: eine isoliert politische Motivation mit Rückkehr innerhalb von 18 bis 24 Monaten, die allmähliche Reibung mit den italienischen Rhythmen mit Rückkehr innerhalb von zwei bis vier Jahren und der familiäre Notfall in den USA, der unabhängig von der Qualität des Umzugs jeden treffen kann. Die Rückkehr ist in der Regel aufwendiger als der Hinweg.

Ja, doch die vertragliche und steuerliche Gestaltung verlangt Sorgfalt. Drei Lösungen kommen am häufigsten vor: die Anstellung über einen italienischen Employer of Record, die Eröffnung einer italienischen Umsatzsteuernummer (partita IVA) mit dem US-Arbeitgeber als Auftraggeber oder die Beibehaltung des US-Vertrags bei Versteuerung in Italien nach dem Doppelbesteuerungsabkommen USA-Italien von 1999. Das Impatriati-Regime kann anwendbar sein, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Vereinigten Staaten besteuern ihre Staatsbürger unabhängig vom Wohnsitz auf das Welteinkommen. US-Bürgerinnen und -Bürger geben deshalb auch im Ausland weiterhin eine Bundessteuererklärung ab (Formular 1040). Das Doppelbesteuerungsabkommen USA-Italien von 1999 regelt die Zuordnung der Besteuerungsrechte. Bestimmte Meldepflichten bleiben bestehen, darunter der FBAR (FinCEN-Formular 114) für ausländische Konten über 10.000 US-Dollar und das Formular 8938 nach FATCA.

Nur eingeschränkt. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland-Italien von 1989 bleiben Renten der Deutschen Rentenversicherung nach Art. 19 Abs. 4 in Deutschland steuerpflichtig und fallen damit nicht unter die italienische Ersatzsteuer von 7 %; Betriebsrenten und Kapitaleinkünfte können dagegen einbezogen werden. Für Österreich gilt nach dem Abkommen von 1981, dass ASVG-Renten im Ansässigkeitsstaat besteuert werden, Pensionen des öffentlichen Dienstes dagegen in Österreich verbleiben.

Nein. Staatsangehörige Deutschlands und Österreichs sind Unionsbürger und benötigen kein Visum; für Schweizer Staatsangehörige gilt dasselbe über das Freizügigkeitsabkommen. Wer länger als drei Monate bleibt, meldet sich bei der italienischen Gemeinde an (iscrizione anagrafica) und weist ausreichende Mittel sowie Krankenversicherungsschutz nach. Rechtsgrundlagen sind die EU-Richtlinie 2004/38/EG und das italienische Gesetzesdekret D.lgs. 30/2007.

DISCLAIMER

Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich allgemeinen Informations- und Darstellungszwecken. Sie stellen keine rechtliche, steuerliche, finanzielle oder sonstige fachliche Beratung dar und dürfen nicht als solche verstanden werden.
Wir bemühen uns, alle Inhalte korrekt und im Einklang mit der geltenden Rechtslage aktuell zu halten, übernehmen jedoch keine Haftung für Fehler, Auslassungen, Fehlinterpretationen oder Gesetzesänderungen, die nach der Veröffentlichung eintreten. Entscheidungen oder Handlungen, die auf den Informationen dieser Website beruhen, erfolgen ausschließlich auf eigenes Risiko der Nutzerinnen und Nutzer.

Unsere Leistungen

War dieser Artikel
hilfreich?

Erfahren Sie, wie wir Sie beim Umzug nach Italien oder bei einer Investition konkret unterstützen.

Maßgeschneiderte Planung für ein Leben oder eine Investition in Italien.

Kauf und Verwaltung von Immobilien in den schönsten Orten und Städten Italiens.

Unterstützung beim Umzug: Visa und Aufenthaltstitel.

Unterstützung von Unternehmen und Investoren, die sich für Italien entscheiden.

Magazine

Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie stets über die neuesten Entwicklungen informiert.